Psychologische Sicherheit - erfolgreiche Teams gestalten

Aktualisiert: 11. März

Das Arbeiten in Teams macht einen Großteil der Arbeit in modernen Organisationen aus. Mittlerweile ist klar, dass Psychologische Sicherheit die Grundlage für leistungsstarke Teams ist. Doch woher wissen wir das eigentlich und was genau ist Psychologische Sicherheit?

Die Zusammenarbeit von Menschen ist eine hochkomplexe Angelegenheit, vor allem wenn sie erfolgreich sein soll, daher hat sich Google 2016 mit dem "Projekt Aristoteles" die Aufgabe gestellt herauszufinden: Was macht das perfekte Team aus? Dafür hat Google über zwei Jahre 180 Teams begleitet und untersucht. Projekt Aristoteles war jedoch nicht die erste Studie zu diesem Thema. Die Frage wie und unter welchen Umständen Menschen am besten arbeiten, stellen sich Unternehmen schon seit Langem.



Wie arbeiten Menschen am besten?


In den 1920er Jahren ließ das amerikanische Unternehmen “Western Electrics” in den eigenen “Hawthorne Werken”, in denen bis zu 45.000 Menschen arbeiteten und Telefonutensilien zusammenbauten, Studien durchführen, die heute als die “Hawthorne Studies” bekannt sind. Eigentlich sollte herausgefunden werden, ob und in wie fern die Beleuchtung am Arbeitsplatz eine Optimierung der Arbeitsverhältnisse und damit der Produktivität hervorrufen kann. Neben der Installation von unterschiedlichen Leuchten wurde eine groß angelegte Befragung durchgeführt. Die Arbeiterschaft, die um die Jahrhundertwende noch als Erweiterung der Maschine gesehen wurde, sollte nun Aussagen über ihre Arbeitsplätze treffen. Das Ergebnis der Hawthorne Studien ergab: Die Beleuchtung machte am Ende keinen signifikanten Unterschied, jedoch stieg die Produktivität bei allen Befragten signifikant an. Nach weiteren Tests wurde klar, die Befragung hatte den Unterschied gemacht. Das Gefühl ansprechen zu können, was die Arbeitsqualität und das Arbeitsumfeld beeinflusst, bzw. überhaupt gefragt zu werden, hatte einen Effekt. Aber den Arbeitsplatz zu verändern nicht.



Was macht erfolgreiche Teams aus?


100 Jahre Später: und Google stand vor einer ähnlichen Beobachtung. Nachdem die Untersucher 180 Teams innerhalb des ganzen Unternehmens angeschaut hatten, konnten sie fast keine Muster erkennen; Skills, Persönlichkeitstypen oder Lebenshintergründe schienen keinen Einfluss auf die Arbeitsqualität zu haben.

Doch auch nach der Betrachtung weiterer Faktoren, ließ sich aus der Zusammenstellung der Teams, also der Frage nach den Akteuren, nichts schließen. Während also diese Individualfaktoren keine Effekte zeigten, wurde nach einiger Zeit klar, dass vor allem die zwischenmenschlichen Interaktionen den größten Effekt hatten und zwar nicht in Form der Teamplayerfähigkeit einzelner Personen, sondern innerhalb des gesamten Teams.

Schließlich ließ sich nur über die Aussagen der Teammitglieder zur Teamkultur innerhalb des Teams ein Muster erkennen. Eine geteilte Einstellung die immer vorhanden war, wenn es sich um die leistungsstärksten und effektivsten Teams bei Google handelte war folgende: Wenn die Teammitglieder das Gefühl hatten, risikofrei offen ihre Meinung zu teilen, Fehler einzugestehen und Schwächen zeigen zu können.

Ähnlich wie in den Hawthorne studies waren es also keine „greifbaren“ Faktoren, sondern eine Kultur, eine Einstellung innerhalb des Teams, die das Beste aus den Menschen herausholte. Der Name der Untersuchung "Aristoteles" wurde übrigens wegen folgendem Zitat des griechischen Philosophen gewählt: "Das Ganze ist größer als die Summe seiner Teile".




Was ist Psychologische Sicherheit?

Und wie kann ich Psychologische Sicherheit integrieren?


Die beste Definition kommt von der Harvard Business School Professorin Amy Edmondson, sie ist die führende Forscherin auf diesem Gebiet und ihre Forschung spielte eine große Rolle bei der Auswertung der Google Studie: “Die von den Mitgliedern eines Teams geteilte Überzeugung, dass es innerhalb des Teams sicher ist, wenn es darum geht, zwischenmenschliche Risiken einzugehen.“

Allerdings kann hierbei noch differenziert werden. Wichtig sind verschiedene Aspekte: Eine geteilte Überzeugung oder Einstellung Risiken eingehen zu können ist etwas anderes als Vertrauen. Eine Teamkultur muss verinnerlicht werden und von allen als Vorstellung des gemeinsamen Zusammenarbeitens geteilt werden. Es werden bewusst die Stärken fokussiert, Fehler und Schwächen werden als Chancen gesehen etwas zu lernen, bzw. werden sie den Teammitgliedern nicht vorgeworfen. Dadurch werden Talente und Fähigkeiten gefördert und Defizite ausgeglichen.

Außerdem geht es bei psychologischer Sicherheit um das Gefühl eine Stimme zu haben, die auch gehört wird. Dies ist nicht zu unterschätzen. In den Hawthorne Werken vor 100 Jahren schien dieser Effekt schon übersehen zu werden. Doch auch wenn sich die Arbeitsbedingungen seitdem stark verbessert haben, die Arbeitswelt ist volatil und extrem schnelllebig. Das Gefühl der Sicherheit innerhalb des eigenen Teams ist für viele Menschen die Grundlage, um gut arbeiten zu können.

Um eine solche Kultur in diesem Maße zu integrieren, sind meist Coachings und Trainings notwendig, welche auf effektive Weise zur Entwicklung erfolgreicher Teams beitragen können.


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